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Robo-Advisors im Vergleich: Automatisierte Geldanlage für Einsteiger

Robo-Advisors im Vergleich: Automatisierte Geldanlage für Einsteiger

Du willst investieren, aber du hast weder die Zeit noch die Lust, dich täglich mit Kursen, Bilanzen und Marktanalysen zu beschäftigen. Du verstehst, dass dein Geld auf dem Girokonto durch Inflation entwertet wird – aktuell verliert ein Sparbuch in Deutschland real etwa 2 bis 3 Prozent pro Jahr. Aber die Welt der Finanzen wirkt komplex, einschüchternd und von Jargon durchsetzt. Genau für dich wurden Robo-Advisors erfunden.

Ein Robo-Advisor ist eine digitale Plattform, die dein Geld automatisch und algorithmenbasiert anlegt. Kein Bankberater, der dir hauseigene Fonds mit hohen Provisionen verkauft. Kein aktiver Fondsmanager, der 1,5 Prozent Gebühren verlangt und trotzdem den Index nicht schlägt. Stattdessen: Wissenschaftlich fundierte Portfolios, niedrige Kosten und maximale Transparenz.

Wie Robo-Advisors funktionieren

Der Prozess ist denkbar einfach. Du beantwortest einen Online-Fragebogen: Wie alt bist du? Was ist dein Anlageziel? Wie lange willst du investieren? Wie reagierst du, wenn dein Portfolio 20 Prozent verliert? Basierend auf deinen Antworten erstellt der Algorithmus ein Portfolio – typischerweise eine Mischung aus Aktien-ETFs und Anleihen-ETFs, deren Gewichtung deinem Risikoprofil entspricht.

Das Rebalancing geschieht automatisch. Wenn Aktien stark steigen und dein Portfolio aus dem Gleichgewicht gerät – etwa 75 Prozent Aktien statt der geplanten 60 Prozent – verkauft der Algorithmus Aktien und kauft Anleihen, um das Zielgewicht wiederherzustellen. Das klingt trivial, ist aber entscheidend: Systematisches Rebalancing erzwingt antizyklisches Handeln – kaufen, wenn Kurse gefallen sind, verkaufen, wenn sie gestiegen sind. Genau das, was die meisten Privatanleger emotional nicht schaffen.

Die wichtigsten Anbieter im deutschsprachigen Raum

Scalable Capital ist mit über 20 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen der größte Robo-Advisor in Europa. Das Unternehmen bietet verschiedene Risikoklassen und nutzt eine Kombination aus ETFs. Die Gebühren liegen bei 0,75 Prozent pro Jahr für den Robo-Advisor plus ETF-Kosten von etwa 0,15 Prozent. Quirion, die digitale Tochter der Quirin Privatbank, bietet ab 0,48 Prozent pro Jahr eines der günstigsten Angebote. Growney fokussiert auf Nachhaltigkeit mit ESG-Portfolios. Und WeltSparen (Raisin Invest) bietet ein ETF-Robo-Portfolio ab 0,33 Prozent Servicegebühr.

Die Unterschiede liegen im Detail: Manche Anbieter nutzen ausschließlich passive ETFs, andere ergänzen um Faktor-ETFs oder Gold-ETFs. Manche bieten steueroptimiertes Rebalancing, das den Sparerpauschbetrag automatisch ausschöpft. Manche erlauben individuelle Anpassungen, andere arbeiten mit fixen Modellportfolios.

Was Robo-Advisors nicht können

Ein Robo-Advisor ersetzt keine umfassende Finanzplanung. Er berücksichtigt nicht deine betriebliche Altersvorsorge, deine Immobilie, deine Schulden oder deine Lebensversicherung. Er optimiert ein Investmentportfolio – das ist ein wichtiger Baustein, aber nur einer von vielen. Für komplexe Situationen – Unternehmensnachfolge, internationale Steuersituationen, Erbrechtsfragen – brauchst du nach wie vor einen menschlichen Berater.

Auch in Krisenzeiten zeigen Robo-Advisors Grenzen. Während des Corona-Crashs im März 2020 verloren die meisten Robo-Portfolios 15 bis 25 Prozent – genau wie der breite Markt. Ein Robo-Advisor schützt nicht vor Marktrückgängen. Er sorgt dafür, dass du diversifiziert bist und keine emotionalen Fehlentscheidungen triffst. Aber Verluste gehören zum Investieren wie Regen zum Wetter.

Robo-Advisor vs. Selbst investieren: Was ist besser?

Die ehrliche Antwort: Für die meisten Menschen ist ein Robo-Advisor besser als Selbstinvestieren – nicht weil er höhere Renditen erzielt, sondern weil er Verhaltensfehler verhindert. Studien zeigen konsistent, dass Privatanleger im Durchschnitt 2 bis 3 Prozent pro Jahr weniger verdienen als die Fonds, in die sie investieren. Warum? Weil sie zum falschen Zeitpunkt kaufen (bei Euphorie) und zum falschen Zeitpunkt verkaufen (bei Panik).

Wenn du hingegen diszipliniert bist, dich für Finanzen interessierst und bereit bist, dich regelmäßig mit deinem Portfolio zu beschäftigen, kannst du mit einem DIY-ETF-Portfolio 0,5 bis 0,75 Prozent Gebühren pro Jahr sparen. Über 30 Jahre macht das einen sechsstelligen Unterschied. Die Frage ist: Bist du wirklich so diszipliniert? Oder redest du dir das nur ein? Die meisten Menschen überschätzen ihre Disziplin und unterschätzen ihre Emotionalität.

Dein erster Schritt

Wenn du noch nie investiert hast, ist ein Robo-Advisor der beste Einstieg. Du lernst, wie Märkte funktionieren, ohne dein Geld zu riskieren (über die Marktrisiken hinaus). Du gewöhnst dich an Schwankungen. Du siehst, wie Diversifikation funktioniert. Und wenn du nach ein bis zwei Jahren genug Wissen und Vertrauen aufgebaut hast, kannst du immer noch zu einem DIY-Portfolio wechseln. Der teuerste Fehler ist nicht die falsche Plattform – es ist, gar nicht anzufangen.

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