Sturmfunke

Wird geladen

Steuern sparen als Selbstständiger: 10 legale Strategien

Steuern sparen als Selbstständiger: 10 legale Strategien

Als Selbstständiger zahlst du in Deutschland durchschnittlich 35 bis 45 Prozent Steuern auf dein Einkommen – Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag, gegebenenfalls Gewerbesteuer und Kirchensteuer. Das ist viel. Aber es ist auch viel weniger als die 50+ Prozent, die du zahlen würdest, wenn du keine Steueroptimierung betreibst. Der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Steuerberater kann Zehntausende Euro pro Jahr ausmachen.

Dieses Wissen ist keine Luxus-Information für Großverdiener. Es ist überlebensnotwendig für jeden Gründer, Freelancer und Selbstständigen. Denn Steuern sind dein größter Ausgabeposten – größer als Miete, größer als Personal, größer als Marketing. Und im Gegensatz zu den meisten Ausgaben hast du bei Steuern erheblichen Gestaltungsspielraum. Legal, wohlgemerkt.

1. Betriebsausgaben konsequent absetzen

Jede Ausgabe, die betrieblich veranlasst ist, reduziert deinen steuerpflichtigen Gewinn. Das klingt trivial, aber die meisten Selbstständigen verschenken Tausende Euro, weil sie Ausgaben nicht dokumentieren. Homeoffice-Pauschale (bis 1.260 Euro pro Jahr), Internet- und Telefonkosten (pauschal 20 Prozent oder einzeln nachgewiesen), Fachliteratur, Fortbildungen, Reisekosten, Bewirtungskosten (70 Prozent absetzbar), Versicherungen, Software-Abonnements – alles reduziert deine Steuerlast.

Tipp: Nutze eine App wie Lexoffice, SevDesk oder Taxfix, die Belege automatisch erkennt und kategorisiert. KI-basierte Belegerfassung spart Stunden und verhindert, dass Ausgaben vergessen werden.

2. Investitionsabzugsbetrag (IAB): Steuern in die Zukunft schieben

Der IAB erlaubt dir, bis zu 50 Prozent der geplanten Anschaffungskosten eines Wirtschaftsguts bereits im Vorjahr gewinnmindernd abzuziehen. Planst du, nächstes Jahr einen Laptop für 2.000 Euro zu kaufen, kannst du dieses Jahr 1.000 Euro als IAB geltend machen. Das reduziert deinen Gewinn – und damit deine Steuerlast – sofort. Die Investition muss innerhalb von drei Jahren tatsächlich getätigt werden.

3. Gewerbesteuer-Freibetrag und Anrechnung

Gewerbetreibende haben einen Freibetrag von 24.500 Euro. Bis zu diesem Gewinn fällt keine Gewerbesteuer an. Darüber hinaus wird die Gewerbesteuer pauschal auf die Einkommensteuer angerechnet (Faktor 4,0 des Gewerbesteuer-Messbetrags). In Gemeinden mit niedrigem Hebesatz kann die Gewerbesteuer dadurch nahezu vollständig kompensiert werden. Tipp: Prüfe, ob dein Firmensitz in einer Gemeinde mit niedrigem Hebesatz liegt – bei Remote-Arbeit ist das leicht umsetzbar.

4. Die richtige Rechtsform wählen

Als Einzelunternehmer zahlst du bis zu 45 Prozent Einkommensteuer auf hohe Gewinne. Eine GmbH zahlt pauschal 15 Prozent Körperschaftsteuer plus Gewerbesteuer – insgesamt etwa 30 Prozent. Ab einem Gewinn von etwa 60.000 bis 80.000 Euro pro Jahr kann der Wechsel zur GmbH steuerlich sinnvoll sein. Aber Vorsicht: Die GmbH bringt höhere Verwaltungskosten, Bilanzierungspflicht und strengere Buchführungsanforderungen. Rechne mit deinem Steuerberater, ab wann sich der Wechsel lohnt.

5. Rürup-Rente: Altersvorsorge mit Steuerbonus

Die Basisrente (Rürup) ist für Selbstständige das Äquivalent zur betrieblichen Altersvorsorge von Angestellten. Beiträge bis 27.566 Euro (2025, Alleinstehende) sind vollständig als Sonderausgaben absetzbar. Bei einem Steuersatz von 42 Prozent spart das über 11.000 Euro Steuern pro Jahr. Allerdings: Die Rente wird im Alter voll besteuert, und das Kapital ist nicht vererbbar oder beleihbar. Rürup lohnt sich vor allem für Gutverdiener, die ihren Steuersatz im Alter deutlich senken.

6. Vorauszahlungen optimieren

Das Finanzamt schätzt deine Vorauszahlungen auf Basis des letzten Steuerbescheids. Wenn dein Gewinn sinkt – etwa weil du in Wachstum investierst – kannst du eine Herabsetzung der Vorauszahlungen beantragen. Umgekehrt: Wenn du ein gutes Jahr hattest, nutze die freie Liquidität, um die Vorauszahlungen gezielt im nächsten Jahr zu reduzieren, indem du Investitionen vorziehst.

7. Firmenwagen vs. Fahrtkostenpauschale

Der Firmenwagen ist ein Klassiker – aber nicht immer die beste Lösung. Die 1-Prozent-Regel oder das Fahrtenbuch können teuer sein, wenn das Fahrzeug auch privat genutzt wird. Für viele Selbstständige ist die Fahrtkostenpauschale (0,30 Euro pro Kilometer) in Kombination mit einem privaten Fahrzeug günstiger. Rechne beide Varianten durch – die Ersparnis kann mehrere Tausend Euro pro Jahr betragen.

8. Ehegattensplitting und Familienoptimierung

Wenn dein Partner weniger verdient als du, kann das Ehegattensplitting erhebliche Steuerersparnisse bringen. Der Effekt ist am größten, wenn ein Partner viel verdient und der andere wenig oder gar nichts. Bei einem Einkommensunterschied von 60.000 Euro kann die Ersparnis über 10.000 Euro pro Jahr betragen. Auch die Beschäftigung von Familienmitgliedern im eigenen Unternehmen kann steuerlich vorteilhaft sein – vorausgesetzt, die Beschäftigung ist tatsächlich und angemessen vergütet.

9. KI-Tools für die Steuererklärung

Tools wie Accountable, Sorted oder Kontist nutzen KI, um Betriebsausgaben automatisch zu erkennen, die Umsatzsteuervoranmeldung vorzubereiten und steuerliche Optimierungspotenziale zu identifizieren. Manche Tools warnen sogar in Echtzeit: Wenn du einen geschäftlichen Einkauf tätigst, erinnert die App daran, den Beleg zu fotografieren und kategorisiert ihn automatisch.

10. Professionelle Beratung: Der ROI des Steuerberaters

Ein guter Steuerberater kostet zwischen 1.000 und 5.000 Euro pro Jahr – und spart dir typischerweise das Drei- bis Fünffache. Die Kosten sind zudem selbst absetzbar. Suche einen Steuerberater, der sich auf Selbstständige und Gründer spezialisiert hat. Die Beratungsgebühren sind eine Investition, keine Ausgabe.

Steuern optimieren ist kein Luxus und keine Grauzone – es ist die Pflicht jedes verantwortungsvollen Unternehmers. Jeder Euro, den du legal sparst, ist ein Euro, den du in dein Wachstum investieren kannst. Und das ist gut für dich, gut für dein Unternehmen und gut für die Wirtschaft.

Was denkst du dazu?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert