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Das Gründerteam: Wie du die richtigen Mitgründer findest und Konflikte vermeidest

Das Gründerteam: Wie du die richtigen Mitgründer findest und Konflikte vermeidest

Warum Solo-Gründer seltener Erfolg haben

Y Combinator, der einflussreichste Startup-Accelerator der Welt, hat eine klare Position: Teams schlagen Einzelkämpfer. Von den über 4.000 Startups, die Y Combinator finanziert hat, wurden die erfolgreichsten fast ausnahmslos von Teams gegründet: Airbnb (3 Gründer), Stripe (2), Dropbox (2), Reddit (2), DoorDash (4).

Die Statistik bestätigt das Muster: Startups mit Mitgründern haben eine 30 Prozent höhere Überlebensrate als Solo-Gründungen. Der Grund ist nicht mysteriös – er ist praktisch. Ein einzelner Mensch kann nicht gleichzeitig Produkt entwickeln, Kunden gewinnen, Investoren überzeugen und operatives Management betreiben. Irgendwann bricht etwas zusammen.

Aber hier kommt die Nuance: Ein schlechter Mitgründer ist schlimmer als kein Mitgründer. 65 Prozent aller Startup-Scheitern mit Mitgründer-Konflikten als Ursache hätten als Solo-Gründung möglicherweise überlebt. Die Qualität der Gründerbeziehung ist der kritische Faktor – nicht die bloße Existenz eines Mitgründers.

Die ideale Gründer-Konstellation

Das klassische Modell ist das Hacker-Hustler-Duo: einer baut das Produkt, der andere verkauft es. Steve Wozniak und Steve Jobs. Larry Page und Eric Schmidt. Brian Chesky und Nathan Blecharczyk. Dieses Modell funktioniert, weil es die zwei grundlegendsten Startup-Funktionen abdeckt: Wertschöpfung und Wertverkauf.

Aber das ideale Team geht tiefer als Funktionsaufteilung. Es braucht Komplementarität in drei Dimensionen: Skills (einer kann, was der andere nicht kann), Temperament (einer ist visionär, der andere operativ) und Netzwerk (einer kennt Investoren, der andere kennt Kunden).

Was du nicht willst: zwei Gründer mit identischem Hintergrund. Zwei McKinsey-Berater gründen zusammen – wer baut das Produkt? Zwei Programmierer gründen zusammen – wer gewinnt die ersten Kunden? Diversity im Team ist kein Nice-to-have, es ist eine strategische Notwendigkeit.

Wo du Mitgründer findest

Die naheliegendste Quelle sind Freunde und ehemalige Kollegen. Das hat den Vorteil, dass ihr euch bereits kennt und eine Vertrauensbasis habt. Der Nachteil: Die Gründer-Beziehung wird die Freundschaft auf eine harte Probe stellen. Könnt ihr euch nach einem heftigen Streit über die Produktstrategie am nächsten Tag wieder in die Augen sehen?

Co-Founder-Plattformen wie YC Co-Founder Matching, CoFoundersLab oder lokale Startup-Meetups sind eine strukturiertere Option. Der Nachteil: Du triffst Menschen, die einen Mitgründer suchen – nicht Menschen, die das gleiche Problem lösen wollen. Die besten Gründer-Beziehungen entstehen aus gemeinsamer Arbeit, nicht aus gemeinsamer Suche.

Acceleratoren und Hackathons sind eine dritte Option. Ihr arbeitet unter Zeitdruck zusammen und seht schnell, ob die Chemie stimmt. Das Y-Combinator-Team um Dalton Caldwell empfiehlt: Arbeitet drei Monate zusammen, bevor ihr euch offiziell als Mitgründer bezeichnet.

Das Co-Founder Date: Wie du Kompatibilität testest

Bevor du jemanden zum Mitgründer machst, solltet ihr ein strukturiertes „Co-Founder Date“ durchlaufen. Hier sind die acht kritischen Fragen, die ihr ehrlich beantworten müsst:

Vision: Was ist das ultimative Ziel für dieses Unternehmen? Exit in fünf Jahren? Hundertjähriges Unternehmen? Lifestyle Business? Wenn eure Visionen fundamental unterschiedlich sind, wird es krachen.

Commitment: Wie viel Zeit investiert jeder von euch? Vollzeit oder Teilzeit? Was passiert, wenn einer von euch ein besseres Jobangebot bekommt?

Equity: Wie teilt ihr die Anteile auf? 50/50 ist die häufigste Aufteilung, aber nicht immer die fairste. Vesting-Klauseln sind Pflicht – standard ist vier Jahre mit einem Jahr Cliff.

Rollen: Wer macht was? Wer hat das letzte Wort bei Produktentscheidungen? Bei Personalentscheidungen? Bei Finanzentscheidungen? Unklare Zuständigkeiten sind die Nummer-eins-Ursache für Mitgründer-Konflikte.

Arbeitsweise: Bist du ein Morgenmensch, der um 6 Uhr loslegt? Oder ein Nachtarbeiter, der um Mitternacht seine besten Ideen hat? Arbeitest du lieber im Büro oder remote? Diese scheinbar kleinen Unterschiede werden über die Jahre zu großen Reibungsflächen.

Risikotoleranz: Wie viel persönliches Geld bist du bereit zu investieren? Ab welchem Punkt gibst du auf? Was ist dein finanzieller Schmerzpunkt?

Konfliktlösung: Wie geht ihr mit Meinungsverschiedenheiten um? Wer entscheidet bei einem Patt? Habt ihr einen Mechanismus für unlösbare Konflikte?

Exit: Was passiert, wenn einer von euch aussteigen will? Ein klarer Gesellschaftervertrag mit Vesting, Tag-Along und Drag-Along-Klauseln ist keine Bürokratie – er ist Überlebensversicherung.

Die häufigsten Mitgründer-Konflikte und ihre Lösungen

Konflikt eins: Ungleiche Arbeitsbelastung. Einer arbeitet 60 Stunden pro Woche, der andere 30. Die Lösung: Klare, messbare OKRs für jeden Gründer, wöchentliches Tracking und ehrliche Gespräche.

Konflikt zwei: Unterschiedliche Prioritäten. Der eine will das Produkt perfektionieren, der andere will schnell skalieren. Die Lösung: Quartalsweise Strategiegespräche mit einem externen Moderator (Board-Mitglied, Mentor oder Coach).

Konflikt drei: Kommunikationsprobleme. In stressigen Phasen kommunizieren die meisten Menschen schlechter, nicht besser. Die Lösung: Wöchentliche 30-minütige Co-Founder-Check-ins, in denen ihr nicht über das Geschäft sprecht, sondern über eure Beziehung.

Konflikt vier: Veränderung der Lebensumstände. Ein Gründer wird Eltern, heiratet, wird krank oder verliert die Motivation. Die Lösung: Regelmäßige Gespräche über persönliche Prioritäten und ein Gesellschaftervertrag, der diese Szenarien abdeckt.

Der Gesellschaftervertrag: Dein wichtigstes Dokument

Ein Gesellschaftervertrag ist nicht optional – er ist die Grundlage eurer Gründerbeziehung. Er regelt Equity-Verteilung und Vesting, Entscheidungsmechanismen bei Patt-Situationen, Austrittsszenarien (Good Leaver vs. Bad Leaver), IP-Übertragung ans Unternehmen, Wettbewerbsverbote und Geheimhaltung.

Investiere 2.000 bis 5.000 Euro in einen spezialisierten Startup-Anwalt. Ein Template aus dem Internet reicht nicht – denn die Klauseln, die wirklich zählen, sind die, an die du heute noch nicht denkst.

Die beste Gründerbeziehung ist wie die beste Ehe: aufgebaut auf Vertrauen, Respekt und der gemeinsamen Überzeugung, dass ihr zusammen stärker seid als allein. Und wie bei einer Ehe hilft ein guter Vertrag, die Beziehung zu schützen – nicht weil ihr euch nicht vertraut, sondern weil ihr euch genug vertraut, um auch die schwierigen Szenarien zu besprechen.

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