ETF-Strategien 2025: Der intelligente Weg zum Vermögensaufbau
Exchange Traded Funds – ETFs – sind die vielleicht wichtigste Finanzinnovation der letzten 30 Jahre. Was als Nischenprodukt für institutionelle Investoren begann, ist heute das bevorzugte Instrument für Millionen von Privatanlegern weltweit. Allein in Europa verwalten ETFs über 1,8 Billionen Euro. In Deutschland hat sich das Volumen seit 2020 verdoppelt. Und der Trend beschleunigt sich.
Aber die schiere Auswahl kann überwältigen. Über 8.000 ETFs sind weltweit verfügbar – vom klassischen MSCI-World-Tracker über Themen-ETFs für Künstliche Intelligenz, Clean Energy und Blockchain bis hin zu Faktor-ETFs, die systematisch auf Value, Momentum oder Quality setzen. Welcher ist der richtige für dich? Die Antwort hängt von deiner Strategie ab – und genau die entwickeln wir hier.
Die Grundlage: Was ein ETF wirklich ist
Ein ETF ist ein Fonds, der an der Börse gehandelt wird wie eine Aktie, aber ein ganzes Portfolio von Wertpapieren abbildet. Der iShares Core MSCI World ETF enthält über 1.500 Aktien aus 23 Industrieländern. Wenn du einen Anteil kaufst, besitzt du indirekt Bruchteile von Apple, Microsoft, Nestlé, Toyota und Hunderten weiteren Unternehmen. Diversifikation in einem einzigen Trade.
Der Vorteil gegenüber aktiv gemanagten Fonds ist empirisch belegt: Laut dem SPIVA Scorecard Report von S&P Dow Jones schaffen es über einen Zeitraum von 15 Jahren weniger als 10 Prozent aller aktiven Fondsmanager, ihren Vergleichsindex zu schlagen. Die restlichen 90 Prozent liefern schlechtere Renditen – und verlangen dafür höhere Gebühren. Der durchschnittliche aktive Fonds kostet 1,5 Prozent pro Jahr, ein ETF oft unter 0,2 Prozent.
Core-Satellite-Strategie: Das Beste aus beiden Welten
Die Core-Satellite-Strategie ist der Goldstandard für intelligente ETF-Portfolios. Der Core (Kern) besteht aus breit diversifizierten, günstigen ETFs – typischerweise 70 bis 80 Prozent des Portfolios. Der Satellite (Satellit) besteht aus spezialisierten ETFs oder Einzelwerten, die höhere Renditen anstreben – 20 bis 30 Prozent des Portfolios.
Ein Beispiel: Core – 50 Prozent MSCI World, 20 Prozent MSCI Emerging Markets, 10 Prozent globale Anleihen. Satellite – 10 Prozent KI-und-Robotik-ETF, 5 Prozent Clean-Energy-ETF, 5 Prozent Small-Cap-Value-ETF. Der Core liefert stabile, marktbreite Renditen. Der Satellite bietet die Chance auf Outperformance in Wachstumssektoren.
Faktor-Investing: Systematische Überrenditen
Faktor-Investing basiert auf akademischer Forschung, die zeigt, dass bestimmte Eigenschaften von Aktien langfristig höhere Renditen liefern als der breite Markt. Die bekanntesten Faktoren: Value (unterbewertete Aktien outperformen langfristig), Size (kleine Unternehmen wachsen schneller als große), Momentum (Aktien, die gestiegen sind, steigen weiter), Quality (profitable Unternehmen mit niedrigen Schulden sind stabiler) und Low Volatility (weniger schwankende Aktien liefern risikobereinigte Überrenditen).
ETF-Anbieter wie iShares, Amundi und Xtrackers bieten dedizierte Faktor-ETFs an. Ein Multi-Factor-ETF kombiniert mehrere Faktoren in einem Produkt. Die Forschung von Fama und French (Nobelpreisträger 2013) zeigt, dass ein Portfolio aus Value- und Small-Cap-Aktien den breiten Markt über Jahrzehnte um 2 bis 4 Prozent pro Jahr geschlagen hat – ein enormer Unterschied bei Zinseszinseffekten.
Themen-ETFs: KI, Blockchain und Megatrends
Themen-ETFs ermöglichen Investments in Megatrends ohne die Risiken von Einzelaktien. Der Global X Artificial Intelligence ETF, der Xtrackers AI and Big Data ETF oder der L&G Artificial Intelligence UCITS ETF investieren in Unternehmen, die KI entwickeln oder intensiv nutzen – von NVIDIA über Palantir bis zu kleineren Spezialisten.
Aber Vorsicht: Themen-ETFs haben ein Timing-Problem. Wenn ein Thema populär wird, sind die Kurse oft bereits gestiegen. Der ARK Innovation ETF von Cathie Wood stieg 2020 um 153 Prozent – und fiel 2022 um 67 Prozent. Wer am Höhepunkt einstieg, verlor mehr als die Hälfte seines Geldes. Die Regel: Themen-ETFs gehören in den Satellite-Bereich, nicht in den Core. Maximal 5 bis 10 Prozent des Gesamtportfolios.
Der Sparplan: Autopilot zum Vermögen
Ein ETF-Sparplan ist die einfachste und effektivste Methode, langfristig Vermögen aufzubauen. Du investierst monatlich einen festen Betrag – 25, 100, 500 Euro – automatisch in einen oder mehrere ETFs. Der Vorteil: der Cost-Averaging-Effekt. Wenn die Kurse hoch sind, kaufst du weniger Anteile. Wenn sie niedrig sind, kaufst du mehr. Über Jahre gleicht sich das aus und reduziert das Risiko, zum falschen Zeitpunkt einzusteigen.
Die Mathematik ist beeindruckend: 300 Euro monatlich in einen MSCI-World-ETF mit einer durchschnittlichen Rendite von 8 Prozent pro Jahr ergeben nach 30 Jahren über 440.000 Euro – bei einer Einzahlung von nur 108.000 Euro. Der Zinseszinseffekt, den Albert Einstein angeblich als achtes Weltwunder bezeichnete, macht den Unterschied.
Steuern optimieren: Thesaurierend vs. Ausschüttend
In Deutschland unterliegen ETF-Erträge der Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer – effektiv etwa 26,4 bis 28 Prozent. Thesaurierende ETFs reinvestieren Erträge automatisch, was den Steuerstundungseffekt nutzt: Du zahlst erst Steuern, wenn du verkaufst. Ausschüttende ETFs zahlen Dividenden aus, die sofort besteuert werden.
Für langfristige Vermögensbildung sind thesaurierende ETFs steuerlich effizienter. Allerdings: Jeder Anleger hat einen Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro (2.000 Euro für Paare). Bis zu dieser Grenze sind Erträge steuerfrei. Ein ausschüttender ETF kann helfen, diesen Freibetrag auszunutzen. Die optimale Strategie: Ausschüttende ETFs bis zum Sparerpauschbetrag, darüber thesaurierende.
Dein ETF-Portfolio in 30 Minuten
Du brauchst kein Finanzstudium, um ein solides ETF-Portfolio aufzubauen. Schritt eins: Eröffne ein Depot bei einem günstigen Online-Broker (Trade Republic, Scalable Capital, ING). Schritt zwei: Wähle einen Core-ETF – der Vanguard FTSE All-World oder der iShares MSCI ACWI deckt die gesamte Weltwirtschaft ab. Schritt drei: Richte einen monatlichen Sparplan ein. Schritt vier: Vergiss ihn. Ernsthaft – die größte Gefahr für Privatanleger ist nicht die falsche ETF-Auswahl, sondern die Panikverkäufe bei Kurseinbrüchen. Der MSCI World hat in den letzten 50 Jahren im Durchschnitt 10 Prozent pro Jahr geliefert – trotz Ölkrise, Dotcom-Crash, Finanzkrise und Corona. Geduld schlägt Timing.

