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Mentoring für Startups: Warum der richtige Mentor wichtiger ist als jeder Investor

Mentoring für Startups: Warum der richtige Mentor wichtiger ist als jeder Investor

Die unsichtbare Kraft hinter erfolgreichen Gründungen

Hinter fast jedem erfolgreichen Startup steht ein Mentor, der selten im Rampenlicht steht. Steve Jobs hatte Mike Markkula, der den jungen Apple-Gründern nicht nur Kapital, sondern Geschäftssinn gab. Mark Zuckerberg hatte Steve Jobs selbst, der ihm riet, sich auf die Mission zu konzentrieren statt auf Monetarisierung. Bill Gates hatte Warren Buffett, der ihn lehrte, langfristig zu denken.

Mentoring ist der am meisten unterschätzte Erfolgsfaktor im Startup-Ökosystem. Laut einer Studie der UPS Foundation haben Startups mit Mentoring eine Überlebensrate von 70 Prozent nach fünf Jahren – im Vergleich zu 35 Prozent ohne Mentoring. Das ist nicht Korrelation, das ist Kausalität: Mentoren helfen dir, die Fehler zu vermeiden, die andere bereits gemacht haben.

Was ein guter Mentor wirklich tut

Ein Mentor ist kein Berater, kein Coach und kein Investor – obwohl er Elemente von allen dreien haben kann. Der fundamentale Unterschied: Ein Mentor hat kein eigenes wirtschaftliches Interesse an deinem Erfolg. Seine Motivation ist intrinsisch – er will sein Wissen weitergeben, weil er selbst von Mentoren profitiert hat.

Ein guter Mentor erfüllt fünf Funktionen: Er ist ein Sparringspartner für strategische Entscheidungen. Er öffnet Türen zu seinem Netzwerk. Er gibt emotionalen Rückhalt in Krisenzeiten. Er stellt unbequeme Fragen, die sonst niemand stellt. Und er hilft dir, deine blinden Flecken zu erkennen.

Die wertvollste Eigenschaft eines Mentors ist Erfahrung. Nicht theoretisches Wissen, nicht akademische Expertise – praktische Erfahrung. Ein Mentor, der selbst gegründet hat, selbst gescheitert ist, selbst Investoren überzeugt hat, kann dir Einsichten geben, die kein Buch und kein Online-Kurs vermitteln kann.

Den richtigen Mentor finden: Ein systematischer Ansatz

Die Suche nach einem Mentor sollte so strukturiert sein wie die Suche nach einem Mitgründer. Beginne mit einer klaren Definition: In welchem Bereich brauchst du Hilfe? Welche spezifische Erfahrung suchst du? Welcher Kommunikationsstil passt zu dir?

Phase 1: Identifiziere 20 potenzielle Mentoren. Suche in deiner Branche, bei erfolgreichen Exits, in Accelerator-Alumni-Netzwerken, bei Branchenverbänden. Nicht jeder dieser 20 wird ein Mentor – aber die Breite erhöht deine Chancen.

Phase 2: Recherchiere gründlich. Lies ihre Interviews, höre ihre Podcast-Auftritte, studiere ihren Karriereweg. Je besser du einen potenziellen Mentor verstehst, desto relevanter wird deine erste Kontaktaufnahme.

Phase 3: Nimm Kontakt auf. Die beste Methode ist eine warme Einführung durch einen gemeinsamen Kontakt. Wenn das nicht möglich ist, schreibe eine kurze, persönliche E-Mail, die zeigt, dass du deine Hausaufgaben gemacht hast. Bitte nicht um „Mentoring“ – das klingt nach einer großen Verpflichtung. Bitte um „15 Minuten Rat zu einer spezifischen Frage.“

Phase 4: Das erste Treffen. Komm vorbereitet mit drei konkreten Fragen. Zeige, dass du bereits Vorarbeit geleistet hast. Respektiere die Zeit deines potenziellen Mentors. Und frage am Ende: „Was kann ich für Sie tun?“ Diese Frage überrascht und beeindruckt fast immer.

Die Mentoring-Beziehung pflegen

Eine Mentoring-Beziehung ist keine Einbahnstraße und kein einmaliges Treffen. Sie ist eine langfristige Investition beider Seiten. Die besten Mentoring-Beziehungen folgen einem einfachen Rhythmus: monatliche Treffen von 30 bis 60 Minuten, mit klarer Agenda und Follow-up.

Vor jedem Treffen: Schicke eine kurze E-Mail mit drei Punkten – was seit dem letzten Treffen passiert ist, was gut läuft, und wo du Rat brauchst. Das zeigt Respekt für die Zeit deines Mentors und ermöglicht ein fokussiertes Gespräch.

Nach jedem Treffen: Implementiere mindestens eine Empfehlung und berichte beim nächsten Mal über die Ergebnisse. Nichts frustriert einen Mentor mehr als die Erkenntnis, dass sein Rat ignoriert wird.

Zwischen den Treffen: Teile relevante Updates per E-Mail. Meilensteine, Erfolge, interessante Artikel – alles, was zeigt, dass du aktiv und engagiert bist. Aber übertreibe nicht: Ein Mentor ist kein Therapeut und kein täglicher Gesprächspartner.

Formelle vs. informelle Mentoring-Programme

Acceleratoren wie Y Combinator, Techstars oder in Deutschland German Accelerator und Startupbootcamp bieten strukturierte Mentoring-Programme. Der Vorteil: Du bekommst Zugang zu einem kuratierten Netzwerk von Mentoren. Der Nachteil: Die Beziehung ist oft oberflächlich, weil die Zeit begrenzt ist.

Informelle Mentoring-Beziehungen entstehen organisch und sind oft tiefer und nachhaltiger. Sie entwickeln sich aus Konferenzbekanntschaften, gemeinsamen Projekten oder Empfehlungen. Der Nachteil: Sie erfordern mehr Eigeninitiative und eine längere Aufbauphase.

Die ideale Strategie kombiniert beides: Nutze formelle Programme für den Einstieg und den Zugang zu einem breiten Netzwerk. Entwickle parallel informelle Beziehungen zu zwei oder drei Mentoren, die langfristig an deiner Seite stehen.

Selbst Mentor werden: Der Kreislauf des Wissens

Ab einem bestimmten Punkt in deiner Gründerreise solltest du selbst zum Mentor werden. Nicht weil du alles weißt – sondern weil die Erfahrung, die du hast, für jemand anderen unbezahlbar ist. Ein Gründer mit zwei Jahren Erfahrung kann einem Gründer im ersten Jahr mehr helfen als ein Investor mit dreißig Jahren Erfahrung – weil die Erinnerung an die Anfangsprobleme noch frisch ist.

Mentoring ist letztlich ein Kreislauf. Du empfängst Wissen, du gibst Wissen weiter, und das gesamte Ökosystem wird stärker. In einer Welt, in der Information überall verfügbar ist, ist erfahrungsbasierte Weisheit die knappste und wertvollste Ressource.

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