Der erste Eindruck beim Networking: Wie Gründer im Gespräch überzeugen
Networking gilt für viele Gründerinnen und Gründer als notwendiges Übel, gerade für introvertiertere Menschen, denen Smalltalk mit Fremden nicht natürlich leichtfällt. Dabei entscheidet oft weniger die eigene Extrovertiertheit über einen gelungenen ersten Eindruck als eine handvoll Verhaltensweisen, die sich bewusst trainieren lassen, unabhängig vom eigenen Naturell.
Warum die ersten Sekunden überproportional wirken
Menschen bilden sich einen ersten Eindruck von einer neuen Person erstaunlich schnell, oft bevor überhaupt inhaltlich gesprochen wurde. Körperhaltung, Tonfall und die Art der Begrüßung prägen diesen ersten Eindruck stärker, als es der eigentliche Gesprächsinhalt in den ersten Momenten vermag. Das bedeutet nicht, dass Inhalt unwichtig wäre, sondern dass die Art der Präsentation den Rahmen setzt, in dem der Inhalt überhaupt wahrgenommen wird.
Zuhören statt sich selbst zu präsentieren
Ein weit verbreiteter Fehler beim Networking besteht darin, das eigene Anliegen so schnell wie möglich vorzubringen, aus Angst, die Gelegenheit sonst zu verpassen. Erfahrene Netzwerker gehen den umgekehrten Weg: Sie stellen zunächst echte, interessierte Fragen an ihr Gegenüber und hören aufmerksam zu, bevor sie überhaupt auf das eigene Anliegen zu sprechen kommen. Diese Reihenfolge wirkt paradoxerweise überzeugender, weil sie echtes Interesse statt reiner Selbstdarstellung signalisiert, was die meisten Menschen intuitiv positiv wahrnehmen.
Die eigene Vorstellung kurz und konkret halten
Wenn die eigene Vorstellung an der Reihe ist, lohnt sich eine kurze, konkrete Formulierung, die neugierig macht, statt eine vollständige Zusammenfassung des gesamten Geschäftsmodells zu liefern. Eine zu lange, detaillierte Selbstvorstellung überfordert das Gegenüber in einer typischen Networking-Situation, in der ohnehin oft nur wenige Minuten Zeit sind. Eine prägnante, verständliche Beschreibung, die Raum für Nachfragen lässt, funktioniert in der Praxis fast immer besser als eine erschöpfende Erklärung.
Ehrlichkeit statt übertriebener Selbstdarstellung
Der Drang, sich und das eigene Unternehmen möglichst erfolgreich darzustellen, ist beim Networking verständlich, kann aber schnell unglaubwürdig wirken, besonders bei erfahrenen Gesprächspartnern, die viele solcher Präsentationen schon gehört haben. Eine ehrliche, auch Herausforderungen einschließende Darstellung der eigenen Situation wirkt oft vertrauenswürdiger und sympathischer als eine makellos klingende, aber wenig glaubwürdige Erfolgsgeschichte.
Konkrete Anhaltspunkte für ein gutes erstes Gespräch
- Eine offene Frage zum Gegenüber stellen, statt sofort mit der eigenen Vorstellung zu beginnen.
- Aktiv zuhören und auf Details eingehen, die im Gespräch genannt werden, statt nur auf die eigene nächste Aussage zu warten.
- Die eigene Vorstellung kurz und verständlich halten, mit Raum für Rückfragen.
- Am Ende des Gesprächs einen konkreten, kleinen nächsten Schritt vorschlagen, statt es bei einem vagen „Lass uns in Kontakt bleiben“ zu belassen.
Körpersprache bewusst einsetzen
Neben dem gesprochenen Wort spielt die Körpersprache eine erhebliche Rolle für den ersten Eindruck. Offene Körperhaltung, angemessener Blickkontakt und ein echtes, nicht aufgesetztes Lächeln signalisieren Offenheit und Selbstsicherheit. Wer sich unsicher fühlt, kann diese äußeren Signale bewusst trainieren, auch wenn sich die innere Nervosität dadurch nicht sofort auflöst. Mit der Zeit stellt sich häufig fest, dass ein bewusst offenes Auftreten auch die innere Anspannung tatsächlich reduziert.
Der Umgang mit unangenehmen Situationen
Nicht jedes Networking-Gespräch verläuft reibungslos. Manchmal trifft man auf desinteressierte Gesprächspartner, unpassende Kontakte oder unangenehme Momente, in denen ein Gespräch einfach nicht in Gang kommt. Ein höflicher, unaufgeregter Ausstieg aus einem solchen Gespräch ist völlig legitim und meist besser als ein verzweifelter Versuch, ein erkennbar nicht funktionierendes Gespräch künstlich am Leben zu erhalten. Die eigene Energie lässt sich in solchen Momenten oft sinnvoller in andere Gespräche investieren.
Nach dem ersten Eindruck: die Nachbereitung
Ein gelungener erster Eindruck verpufft, wenn er nicht innerhalb weniger Tage nachverfolgt wird. Eine kurze, persönliche Nachricht, die an ein konkretes Detail aus dem Gespräch anknüpft, hilft dabei, sich von den vielen anderen flüchtigen Kontakten abzuheben, die eine Person möglicherweise am selben Tag geknüpft hat. Diese Nachbereitung entscheidet oft mehr über den langfristigen Wert eines Kontakts als das ursprüngliche Gespräch selbst.
Unterschiedliche Situationen erfordern unterschiedliche Ansätze
Der richtige Umgang beim Networking unterscheidet sich je nach Situation erheblich. Ein kurzer Austausch in der Warteschlange für einen Kaffee erlaubt ein anderes Vorgehen als ein offizielles Networking-Format, bei dem beide Seiten wissen, dass es um berufliche Kontakte geht. Wer diese Unterschiede erkennt und den eigenen Ansatz entsprechend anpasst, wirkt situativ angemessener, als wenn immer derselbe vorbereitete Text abgespult wird, unabhängig davon, ob das Gegenüber gerade offen für ein längeres Gespräch ist oder erkennbar in Eile.
Der Umgang mit Statusunterschieden
Gerade beim ersten Kontakt mit deutlich erfahreneren oder bekannteren Personen fühlen sich viele Gründerinnen und Gründer unsicher, wie viel Nähe angemessen ist. Übertriebene Ehrfurcht wirkt dabei ebenso unpassend wie eine allzu vertrauliche, ungefragte Nähe.
Ein respektvoller, aber selbstbewusster Umgang, der die eigene Position nicht kleinredet, ohne dabei aufdringlich zu wirken, kommt in der Praxis meist am besten an. Viele erfahrene, erfolgreiche Personen schätzen es zudem, wenn sie nicht ausschließlich wegen ihres Status angesprochen werden, sondern ein echtes inhaltliches Interesse spürbar ist.
Kulturelle Unterschiede beim Networking beachten
Wer international unterwegs ist, sollte berücksichtigen, dass sich Networking-Gepflogenheiten zwischen Ländern und Kulturen teils deutlich unterscheiden, etwa hinsichtlich der angemessenen physischen Distanz, der Direktheit von Fragen oder der Geschwindigkeit, mit der geschäftliche Themen angesprochen werden dürfen.
Ein Verhalten, das in einem kulturellen Kontext als selbstbewusst und angemessen gilt, kann in einem anderen als unhöflich empfunden werden. Eine kurze Vorabrecherche zu den üblichen Gepflogenheiten eines Landes oder einer Branche zahlt sich bei internationalen Kontakten häufig aus.
Networking über digitale Kanäle vorbereiten
Immer mehr erste Kontakte entstehen heute nicht mehr ausschließlich bei physischen Veranstaltungen, sondern über digitale berufliche Netzwerke, in denen der erste Eindruck bereits vor jedem persönlichen Gespräch durch das eigene Profil geprägt wird.
Ein unvollständiges, veraltetes oder unklar formuliertes Profil kann selbst ein anschließend hervorragend geführtes persönliches Gespräch im Nachhinein entwerten, weil interessierte Kontakte sich vor einem Treffen häufig online informieren. Wer sein digitales Profil bewusst pflegt und klar kommuniziert, woran gerade gearbeitet wird, erleichtert es potenziellen Kontakten erheblich, von sich aus den ersten Schritt zu wagen.
Auch die Art, wie eine erste digitale Kontaktanfrage formuliert wird, beeinflusst den weiteren Verlauf erheblich.
Eine unpersönliche, offensichtlich an viele Personen gleichzeitig verschickte Nachricht erzeugt selten eine positive erste Reaktion, während eine kurze, konkret auf die jeweilige Person zugeschnittene Nachricht deutlich häufiger zu einer echten Antwort führt. Diese Sorgfalt bei der digitalen Erstansprache verdient ebenso viel Aufmerksamkeit wie die klassische persönliche Begegnung, da beide Formen des ersten Kontakts inzwischen gleichermaßen über den weiteren Verlauf einer beruflichen Beziehung entscheiden können.
Zum Schluss lohnt sich die Erinnerung daran, dass ein einzelner erster Eindruck selten endgültig ist.
Selbst ein weniger gelungenes erstes Gespräch lässt sich durch spätere, konsequente Kontaktpflege und tatsächlich hilfreiches Verhalten über die Zeit korrigieren. Wer sich von einem als misslungen empfundenen ersten Kontakt entmutigen lässt und den Aufbau der Beziehung deshalb ganz aufgibt, verschenkt oft Potenzial, das sich mit etwas Geduld und einem zweiten, besser vorbereiteten Anlauf durchaus noch hätte entfalten können.
Wer beim Networking noch unsicher wirkt, kann die eigene Selbstsicherheit gezielt trainieren, etwa durch bewusstes Üben in weniger risikoreichen Situationen, bevor wichtige, folgenreiche Gespräche anstehen. Diese Übung zahlt sich über die Zeit spürbar aus, da sich ein souveränes Auftreten, ähnlich wie andere Fähigkeiten, durch wiederholte Praxis verbessern lässt.
Fazit
Ein überzeugender erster Eindruck beim Networking entsteht weniger durch geschliffene Verkaufsrhetorik als durch echtes Interesse am Gegenüber, eine kurze, verständliche Selbstvorstellung und eine ehrliche, glaubwürdige Darstellung der eigenen Situation. Wer diese Grundprinzipien verinnerlicht und Gespräche konsequent nachverfolgt, baut über die Zeit ein belastbares Netzwerk auf, unabhängig davon, ob Networking von Natur aus leichtfällt oder bewusst trainiert werden muss.




