Crowdinvesting versus Crowdfunding: Zwei Modelle im Vergleich

Die Begriffe Crowdfunding und Crowdinvesting werden im Alltag häufig durcheinandergebracht, dabei handelt es sich um zwei grundlegend unterschiedliche Modelle mit jeweils eigenen Chancen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Wer sich für eine dieser Finanzierungsformen interessiert, sollte den Unterschied genau verstehen, bevor eine Entscheidung getroffen wird, welcher Weg zum eigenen Vorhaben passt.

Crowdfunding: Unterstützung ohne Beteiligung

Beim klassischen Crowdfunding unterstützen viele einzelne Personen ein Projekt mit vergleichsweise kleinen Beträgen, ohne dafür eine Unternehmensbeteiligung zu erhalten.

Als Gegenleistung erhalten Unterstützerinnen und Unterstützer häufig das fertige Produkt zu einem vergünstigten Preis, eine symbolische Anerkennung oder gar keine materielle Gegenleistung, wenn es sich um ein rein spendenbasiertes Modell handelt. Dieses Modell eignet sich besonders für konkrete, greifbare Produkte oder Projekte, die sich gut kommunizieren lassen und bei denen eine breite Öffentlichkeit emotional angesprochen werden kann.

Crowdinvesting: Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg

Crowdinvesting funktioniert anders: Hier investieren die Unterstützerinnen und Unterstützer echtes Kapital gegen eine Form der Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens, etwa über Anteile oder anteilige Rückzahlungsmodelle mit Gewinnbeteiligung. Diese Form der Finanzierung unterliegt deutlich strengeren rechtlichen Vorgaben als klassisches Crowdfunding, da hier tatsächliche Kapitalanlageprodukte entstehen, für die entsprechende Vorschriften zum Anlegerschutz gelten.

Welches Modell zu welchem Vorhaben passt

Ein physisches Produkt, das viele Menschen unmittelbar anspricht, etwa ein neues Gadget oder ein kreatives Projekt, eignet sich häufig gut für klassisches Crowdfunding, weil die Unterstützung eher aus Begeisterung für das konkrete Produkt entsteht als aus einer echten Investitionsabsicht. Ein Geschäftsmodell mit klarem Wachstumspotenzial und der Aussicht auf eine spätere Wertsteigerung spricht dagegen eher für Crowdinvesting, weil hier die finanzielle Beteiligung am Erfolg des Unternehmens im Vordergrund steht.

Vorbereitung ist bei beiden Modellen entscheidend

Unabhängig davon, welches Modell gewählt wird, entscheidet die Vorbereitung maßgeblich über den Erfolg einer Kampagne. Eine überzeugende, klar verständliche Kommunikation des eigenen Vorhabens, realistische Ziele und eine aktive Ansprache des eigenen Netzwerks vor dem offiziellen Start einer Kampagne erhöhen die Erfolgschancen erheblich. Kampagnen, die ohne jede Vorbereitung gestartet werden, in der Hoffnung, sich allein durch die Plattform von selbst zu verbreiten, scheitern in der Praxis überdurchschnittlich häufig.

Was Unterstützer bei beiden Modellen erwarten

  • Transparente, ehrliche Kommunikation über den aktuellen Stand des Projekts oder Unternehmens, auch wenn nicht alles nach Plan läuft.
  • Regelmäßige Updates während und nach der Kampagne, statt Stille nach erfolgreichem Abschluss der Finanzierung.
  • Ein glaubwürdiges Team, das die Umsetzung des Vorhabens realistisch erscheinen lässt.
  • Klare Angaben dazu, wofür das gesammelte Kapital konkret verwendet wird.

Die Kehrseite öffentlicher Finanzierung

Sowohl Crowdfunding als auch Crowdinvesting bedeuten, das eigene Vorhaben öffentlich sichtbar zu machen, oft schon lange bevor ein fertiges Produkt existiert. Diese Öffentlichkeit kann wertvolles frühes Feedback und Aufmerksamkeit bringen, birgt aber auch das Risiko, dass Wettbewerber die eigene Idee aufgreifen oder dass ein Scheitern der Kampagne öffentlich sichtbar wird. Wer sich für diesen Weg entscheidet, sollte sich dieser Sichtbarkeit bewusst sein und entsprechend vorbereitet in die Kampagne gehen.

Rechtliche Rahmenbedingungen ernst nehmen

Gerade beim Crowdinvesting gelten je nach Land und Höhe des angestrebten Kapitals unterschiedliche rechtliche Anforderungen, etwa hinsichtlich der notwendigen Informationspflichten gegenüber Anlegern. Diese Vorgaben ändern sich immer wieder und sollten vor dem Start einer Kampagne direkt bei der jeweiligen Plattform sowie gegebenenfalls mit spezialisierter rechtlicher Beratung geklärt werden, statt sich auf veraltete Informationen aus früheren Kampagnen anderer Unternehmen zu verlassen.

Die Community als langfristiger Wert

Ein oft unterschätzter Nutzen beider Modelle liegt in der entstehenden Community von Unterstützerinnen und Unterstützern, die über die reine Finanzierung hinaus wertvoll sein kann. Menschen, die frühzeitig in ein Produkt oder Unternehmen investiert oder es unterstützt haben, werden häufig zu engagierten Fürsprechern, die das Vorhaben in ihrem eigenen Umfeld weiterempfehlen. Diese Wirkung lässt sich mit klassischer Werbung nur schwer erreichen und sollte bei der Entscheidung für eine öffentliche Finanzierungsform mitbedacht werden.

Die Rolle der Plattform

Sowohl beim Crowdfunding als auch beim Crowdinvesting spielt die gewählte Plattform eine erhebliche Rolle für den Erfolg einer Kampagne.

Manche Plattformen haben sich auf bestimmte Branchen spezialisiert und bringen dadurch bereits ein passendes, interessiertes Publikum mit, während breiter aufgestellte Plattformen ein größeres, aber weniger zielgerichtetes Publikum erreichen. Ein Vergleich mehrerer Plattformen, einschließlich der dort üblichen Erfolgsquoten ähnlicher Projekte, hilft dabei, eine fundierte Entscheidung zu treffen, statt sich für die erstbeste oder bekannteste Option zu entscheiden.

Die entscheidenden ersten Tage einer Kampagne

Bei beiden Modellen gilt eine wiederkehrende Beobachtung: Kampagnen, die in den ersten Tagen nach dem Start bereits sichtbare Unterstützung erhalten, wirken auf spätere Besucherinnen und Besucher deutlich vertrauenswürdiger als Kampagnen, die zunächst kaum Bewegung zeigen.

Aus diesem Grund bereiten erfolgreiche Teams den Start ihrer Kampagne gezielt vor, indem sie das eigene Netzwerk direkt zum offiziellen Startzeitpunkt mobilisieren, statt auf ein allmähliches, organisches Anwachsen der Unterstützung zu hoffen. Dieser bewusst erzeugte frühe Schwung beeinflusst häufig, wie eine Kampagne von der breiteren Öffentlichkeit danach wahrgenommen wird.

Nach der Kampagne: Verpflichtungen ernst nehmen

Ob Crowdfunding oder Crowdinvesting, mit dem erfolgreichen Abschluss einer Kampagne beginnt für das Unternehmen eine neue Phase an Verpflichtungen. Beim Crowdfunding müssen versprochene Gegenleistungen tatsächlich geliefert werden, oft innerhalb ambitionierter Zeitpläne, die in der ursprünglichen Kampagnenplanung mitunter zu optimistisch angesetzt wurden.

Beim Crowdinvesting entstehen zusätzlich laufende Berichtspflichten gegenüber einer oft sehr großen Zahl kleinerer Investoren. Wer diese Nachlaufphase in der ursprünglichen Planung unterschätzt, gerät nach einer erfolgreichen Kampagne schnell in organisatorische Schwierigkeiten, die den anfänglichen Erfolg der Finanzierung wieder überschatten können.

Wie sich beide Modelle gegenseitig ergänzen können

Manche Unternehmen nutzen im Laufe ihrer Entwicklung sowohl Crowdfunding als auch Crowdinvesting, allerdings zu unterschiedlichen Zeitpunkten und mit unterschiedlichem Zweck.

Eine frühe Crowdfunding-Kampagne kann dazu dienen, ein erstes Produkt zu finanzieren und gleichzeitig eine engagierte Community aufzubauen, während eine spätere Crowdinvesting-Runde genutzt wird, um mit einer bereits nachgewiesenen Nachfrage zusätzliches Wachstumskapital einzusammeln. Diese Abfolge nutzt die jeweiligen Stärken beider Modelle in der Phase, in der sie am meisten Sinn ergeben, statt sich von Anfang an auf einen einzigen Weg festzulegen.

Wichtig ist dabei, dass frühere Unterstützer aus einer Crowdfunding-Kampagne nicht automatisch erwarten dürfen, bei einer späteren Crowdinvesting-Runde bevorzugt behandelt zu werden, da es sich rechtlich um vollständig unterschiedliche Vertragsverhältnisse handelt. Eine klare, transparente Kommunikation dieser Unterschiede gegenüber der eigenen Community verhindert Missverständnisse und bewahrt das Vertrauen, das in der ersten Kampagne mühsam aufgebaut wurde, auch wenn sich die rechtliche Grundlage der Unterstützung von einer Phase zur nächsten grundlegend verändert.

Abschließend sei erwähnt, dass beide Finanzierungsformen sich auch hinsichtlich der psychologischen Belastung für das Gründerteam unterscheiden können.

Eine öffentlich sichtbare Kampagne, die schleppend verläuft, wird von außen deutlich wahrnehmbar, was zusätzlichen Druck erzeugt, der bei einer klassischen, unter vier Augen geführten Investorenverhandlung nicht in derselben Form entsteht. Wer diese öffentliche Komponente unterschätzt, sollte sich vor dem Start einer Kampagne bewusst machen, dass ein Misserfolg nicht privat bleibt, sondern für die eigene Community und potenzielle künftige Investoren sichtbar wird.

Wer sich zwischen beiden Modellen noch unentschlossen zeigt, sollte sich in erster Linie fragen, ob das eigene Vorhaben in erster Linie Begeisterung für ein konkretes Produkt oder Vertrauen in ein langfristiges Geschäftsmodell wecken soll, da diese grundlegende Ausrichtung meist deutlicher auf den passenden Weg hinweist als ein reiner Vergleich der jeweiligen Plattformgebühren oder technischen Abläufe.

Fazit

Crowdfunding und Crowdinvesting verfolgen unterschiedliche Ziele: Während Crowdfunding vor allem auf Unterstützung für ein konkretes Projekt setzt, ermöglicht Crowdinvesting eine echte finanzielle Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens. Welches Modell passt, hängt stark vom Vorhaben selbst ab, wobei beide Wege eine sorgfältige Vorbereitung, transparente Kommunikation und ein Bewusstsein für die entstehende Öffentlichkeit erfordern, um wirklich erfolgreich zu sein.

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